Nievenheim – wir kamen, sahen und lernten

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Nievenheim

Yeah! Die zweite Regatta für uns und Usain stand an und das bei perfektem Sommerwetter. Naja, ein wenig zu perfekt, denn es fing erst mal super heiß an und mit Warten auf Wind. Aber der Reihe nach.

Samstag 9:30 Uhr Abfahrt mit Usain am Haken in Duisburg – Ankunft Dormagen/Nievenheim 10:45 Uhr. Schon einiges los am Club, aber plattes Wasser. Also erst mal die eigene Anspannung – von meinem Race-Darm-Syndrom hab ich ja letztens schon erzählt – runterpegeln und langsam das Boot auspacken, aufbauen, zwischendrin immer wieder mit Leuten quatschen, in den Schatten setzen, trinken, trinken und noch mehr trinken – Wasser versteht sich – und abwarten. Die Wettfahrtleitung war zum Glück so souverän, dass es erst mal sehr, sehr lange Startbereitschaft an Land gab – gut, der See fällt ja auch in die Kategorie „überschaubar“. Um 16 Uhr ging es tatsächlich raus. Der Wind war eigentlich ganz gut, so etwa 2-3 Windstärken, wenn man sich in einem der Windfelder befand, aber leider konnte der Wind sich nicht auf dem kompletten See durchsetzen und entschied sich auch nicht stabil für einer Richtung, so dass die Wettfahrtleitung richtigerweise beschloss, dass wir unverrichteter Dinge wieder reinfuhren.

Sommer, Sonne, Sonnenschein, zieh ich mir furchtbar gerne rein

Da ich zwei Wochen später eine Triathlon Sprintdistanz anpeilte, hatte ich vorsorglich meine Schwimmboje, Tri-Anzug, Badekappe und Schwimmbrille eingepackt. Wenn ich in Aldekerk nicht komplett untergehen will, sollte ich vielleicht wenigstens einmal vorher schwimmen gehen. Aber Leute, bei DEM, also wirklich DEM Wasser in Nievenheim, ist das wirklich ein Fest. Schon fast karibisch, also so stell ich mir zumindest die Karibik vor, nur halt mit Süßwasser. Türkisblau, klar ohne Ende, keine Algen – einfach perfekt. Also bin ich mal eben 1,5 km durchgekrault. Wenn mich irgendwer unter Wasser gesehen hätte, Fische oder so, hätten die bestimmt gedacht, was ich denn für ein komisches Grinsetier bin. Vollkommen glückseelig über das krasse Blau um mich herum und im Kreis grinsend, zog ich durch den See.

Nach meinem Schwimmen dann schnell duschen und ab zu den anderen: Grillen und gemeinsam gemütlich Longdrinks schlürfend bis tief in den Abend selbigen ausklingen lassen – dafür liebe ich den Sommer.

Der nächste Morgen: Frühstück, kein Wind. Ernsthaft?! Aber der Wettfahrtleiter meinte nur ganz cool, dass wir ruhig ordentlich frühstücken sollen, denn wir würden heute noch 4 Wettfahrten bei 4 Windstärken machen – und er sollte Recht behalten – also teilweise.

Nievenheim wird unser „Fluch der Karibik“

Der Wind setzte sich konstant durch, so dass wir um 11 Uhr die erste Wettfahrt starten konnten. Yeah! Und wir waren gar nicht schlecht nach dem Start. Siebter an der Luvtonne. Schnell den Spi hoch und vorbei an der Ablauftonne – nur leider an der falschen Seite. Echt jetzt, Herr Kasten? Welchen Teil von „alle Tonnen backbord liegen lassen“ hast du nicht verstanden? Aber hej, wir segeln ja noch nicht so lange zusammen auf einem Boot, erst 12 Jahre, da kann es dann auch schon mal passieren, dass Rouven einfach meint, er könne eben einfach so umlegen und noch mal schnell um die Ablauftonne fahren – so als säße er noch wie früher in der Europe oder im Laser. Mit Spi oben ist das aber nicht ganz so einfach – also in unserem Fall unmöglich. Es folgt nun eine TragiKomödie in keine Ahnung wie vielen Akten: Also unter Spi wenden und versuchen auf Anlieger auf die Tonne zu gehen, ist nicht zu empfehlen. Spi dann noch versuchen runterzunehmen, während die Spischot und der halbe Spi sich immer weiter unters Boot zieht … ich kann euch sagen, das endet im ganz großen Spi-Desaster. Also in unserem Fall kam das so, dass wir die Spischoten abknoten mussten, Spi bergen und alle anderen fahren lassen mussten. Heißt, wir hatten so eine große Baustelle, dass wir bei dem kleinen See und den kurzen Wettfahrten keine Chance mehr gesehen haben an das Feld ranzukommen und deshalb der Wettfahrtleitung mitteilten, dass sie uns einen DNF geben soll.

Zweiter Start, neues Glück. Läuft bei uns. Der Wind hatte zugelegt, so dass ich jetzt auch konstant im Trapez stehen musste. Wir hatten echt Spaß. Yeah! Schon 3 Runden im Mittelfeld gut dabei. Und ich so voll motiviert, fühle mich super im Trapez, schwebe über das Wasser und denk mir so „Ach guck, wenn man so hängt ist doch ganz schön viel Luft zwischen Trapezhaken und Bauch, hab wohl abgeno …!?!?“ Den Gedanken konnte ich gar nicht zu Ende denken, da sauste ich auch schon ne halbe Etage tiefer, konnte mich noch so gerade eben fangen und nicht ins Wasser abschmieren. Na? Was ist passiert? Richtig, Trapezgurt an der Hose hatte sich gelöst bzw. ist durchgerauscht und ich gleich mit. Echt jetzt, Frau Kasten?! Wer vorher nicht seine Ausrüstung kontrolliert, muss halt fühlen und leiden, ähm, lernen: Mir blieb nichts anderes übrig, als mich selbst irgendwie mit den Armen ins Trapez zu hängen, zu halten und die restliche Kreuz zu überleben. Den Versuch auf dem Vorwind den Gurt an der Hose wieder einzufriemeln hab ich abgebrochen, da die Finger für Feinmotorik nicht mehr taugten und der Spi sich auch nicht von alleine fährt. Also in der Zielkreuz noch mal alles aus den Armen holen was geht und hoffen, dass wir nicht allzu viele Plätze verlieren, denn Höhefahren ist mit meiner Hängepartie irgendwie nicht möglich gewesen.

Dritter Start, neuer Versuch. Erwähnte ich irgendwann schon einmal, dass das Wasser so geil blau ist? Also wirklich, wenn man sich den See ohne Bagger und größer vorstellt, fühlt man sich schon ganz karibisch! Aber für karibische Gefühle ist während der Wettfahrt kein Platz! Oder wenn, dann fühlte ich mich eher so wie in Fluch der Karibik – total zerstört. Die Trapezhose sitzt wieder, der Wind wird hackiger und ich mach da vorne eher so Kamikaze statt katzenhafte Bewegungen. Egal, die Wettfahrt läuft gut für uns, sehr gut. Zielkreuz und Crash! Ne, nicht in ein anderes Boot, aber mit meinem Schienbein voll Karacho gegen den Schwertkasten. Egaaaaaaaaaaaal, Zähne beißen und noch mal ins Trapez schmeißen – doch mein rechtes Bein will nicht mehr ruhig stehen, zittert permanent. Zielschuß. Und zack noch mal mit dem Bein vor den Schwertkasten. Mir stockt der Atem, ich schreie und Rouven entscheidet, dass wir reinfahren. Und ich noch so mit Augen zu und voll am heulen “Neeeeeeein!!! Nicht reinfahren!!! Wir ziehen das durch, ich muss das nur kühlen …“ Doch da habe ich noch nicht gesehen, was Rouven gesehen hat: Auf meinem Schienbein ist eine riesige, runde, golfballgroße Beule. So etwas hatte ich noch nie in meinem Leben. Ich kann das Bein gar nicht mehr belasten, schreie auf, als ich auf die andere Seite klettern will. Der Schmerz lässt auch nicht wirklich nach, als ich das Bein vom Boot aus ins Wasser halte. Wir melden uns beim Startschiff ab und fahren an Land. Dort angekommen, bekomme ich sofort Eisspray aufgesprüht und von der DLRG ein Coolpack. Das Bein wird hochgelagert und irgendwer hilft Rouven beim slippen von Usain.

Von meiner Invalidenstation aus sehe ich Rouven beim Verpacken zu, trinke ne kalte Cola und beobachte, wie die Beule zum Glück kleiner wird. Bei den letzten Handgriffen helfe ich Rouven noch, Usain auf dem Trailer festzuzurren und dann ist auch schon Siegerehrung. Und hej, nicht letzte, obwohl wir nur 2 von 4 Wettfahrten ins Ziel gebracht haben. Und es gab super schöne selbstgebastelte Windlichter als Erinnerungspreise. Wer mich kennt weiß, dass ich eigentlich fast nichts mehr hasse, als irgendwelche Deko-Stehrümmchen, erst recht, wenn sie was mit segeln zu tun haben. Also Stopp: meine furchtbar kitschige Fischvase und mein Lego Beatles Yellow Submarine ist außen vor. Das ist auch keine Deko, das ist Kia-style.

Das praktische an Windlichtern ist ja auch, dass die draußen auf dem Balkon stehen, denn in der Wohnung ist ja schließlich auch kein Wind – also keine Funktion für Windlichter.

So, das war es jetzt erst mal mit Regatten. Jetzt kommt eine Sommerpause mit Triathlon und Lauftraining für mich und im Herbst geht es weiter. Vielleicht fahren wir dann ja auch mal alle Wettfahrten ins Ziel. Gewiss werden wir auch wieder sehr viel lernen, über uns, übers 470er Segeln und vor allem darüber, wie man es nicht macht.

Bis bald,

Kia

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