Sorpe Regatta, oder: Mein Race-Darm-Syndrom

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KSCH

Nachdem wir im Februar Usain ein neues Zuhause gegeben und versucht haben möglichst viel auf dem Wasser zu sein, haben wir am ersten Juni-Wochenende doch tatsächlich nach 4 Jahren Regatta-Abstinenz dieses Jahr unsere erste Auswärtsregatta gefahren. Wobei das eher unter die Kategorie betreutes Segeln fällt. Aber egal, die Aufregung war mega groß – jedenfalls auf meiner Seite.

Wer meine Lauf– oder Triathlonberichte gelesen hat, weiß ja bereits, dass ich vor Wettkämpfen immer sehr nervös und angespannt bin und eigentlich mit mir nichts anzufangen ist. Das war früher bei Regatten schon ähnlich, aber nicht soooooo schlimm. Seit ich nicht mehr selber steuer, ist mir regelmäßig vorm Startschuss schlecht. Ich sitze stumm, teilweise zitternd im Boot und habe Würgreflex: Das ist mein Race-Darm-Syndrom.

Anhängen und los

Am Samstag Morgen hatte ich dann aber einen Zustand erreicht, den ich zuvor noch nie erlebt habe. Wir lagen super in meinem, ähm unserem Zeitplan, Rouven ist sogar pünktlich aufgestanden, ich musste ihm nicht ständig sagen, dass er mal hinne machen solle. Nur musste er unsere Segel und Taschen alleine ins Auto packen, denn ich hing kotzend überm Klo. Ernsthaft?! Ich konnte es selbst nicht fassen, dass meine Nerven mir im wahrsten Sinne des Wortes so übel mitspielten. Sowas hatte ich wirklich noch nie. Egal, irgendwie habe ich es dann doch runter ins Auto geschafft. Also ab zum See, Usain anhängen und los ins Sauerland. Hinter Essen auf dem Rastplatz noch ne kurze Pause, um zu checken ob sich kein Spanngurt gelöst hat, Kaffeepause für Rouven, Kotzpause für mich. Es ging mir wirklich schlecht. Irgendwie habe ich dann aber die Fahrt zur Sorpe ohne weitere Brechattacke überlebt, okay, die Kurven und „Berge“ von der Autobahn zum See runter waren für meinen Magen wieder eine kleine Herausforderung.

No banana, no race.

Angekommen am KSCH lief ich dann wie bei jeder Regatta auf Autopilot: Boot abhängen, aufbauen, melden. Zwischendrin mega Freude Frankie und Ann Kristin zu sehen und Günter, das Urgestein meiner Opti- und Europe-Zeit, seines Zeichens ewig bester Wettfahrtleiter. Und dann die Überraschung: meine Eltern sind plötzlich um die Ecke gekommen, was mich mega gefreut hat. Jahrelang hat mein Papa mich deutschlandweit von einer Regatta zur anderen gekarrt. Jedes Jahr war er mit mir am KSCH zur Europe-Regatta: Eine klasse Zeit. Jetzt sind meine Eltern quasi als Glücksbringer mit am Start zu unserer ersten 470er Regatta und haben mir natürlich Race-Bananen mitgebracht. Denn mein Motto ist ja bekanntlich: No banana, no race.

Ach ja, der Start. Erst mal Startbereitschaft an Land, dann irgendwann Start der ersten Wettfahrt – und es kam wie es kommen musste: Spontanheilung meinerseits nach dem Schuss. Wir waren auch gar nicht so schlecht, dafür dass wir noch gar keine, also ich meine wirklich gar keine, Routine im 470 haben. Was ich aber schon immer gut konnte waren Leichtwindregatten – und Rouven zum Glück auch. Wenn man so will, sind wir quasi Meister darin uns seeeeehr ruhig aber dafür präzise auf dem Boot zu bewegen, so dass möglichst keine unnötige Bewegung das Boot erschüttert und vor allem die Segel stehen bleiben. Nach der ersten Wettfahrt war es dann aber leider auch erst mal vorbei. Wind weg, Startbereitschaft auf dem Wasser, gefolgt von Startbereitschaft an Land, gefolgt von „wir machen morgen weiter“. Was mich persönlich immer sehr erleichtert, denn ich finde es jedesmal ätzend, wenn man Stunden auf dem Wasser und an Land rumdümpelt und auf Wind warten muss – irgendwann ist dann meine Motivation auch so was von abgeflaut, dass ich sehr froh bin, wenn es erst am nächsten Tag weitergeht, bitte dann schon direkt mit Wind zum Frühstück, damit man nicht weiter warten muss.

Der Abend verlief dann so, wie man es sich wünscht und als Klassen-Neuling sowieso: Wir sind sofort gut aufgenommen worden, okay Rouven kannte bereits Kristof, Max und Christian und ich Frankie und Ann Kristin. Und dann lernten wir noch so viele weitere kennen und ich bin doch so schlecht im Namen merken …

Abbruch aller weiteren Wettfahrten

Nach einer kurzen Nacht war ich Sonntag Migräne bedingt zu gar nichts in der Lage. Ich habe das natürlich erst mal versucht zu ignorieren, denn ich hatte auch keine Tabletten dabei. Mir blieb nichts anderes übrig als mich mit Sonnenbrille an den Frühstückstisch in die dunkelste Ecke zu krümeln und zu hoffen, dass es doch nur Kopfschmerzen sind. Aber der Schluck Kaffee und die zwei Bissen der Unterseite meines Marmeladenbrötchens wollten innerhalb kürzester Zeit wieder raus und so startete für mich der Sonntag ähnlich wie der Samstag: kopfüber auf der Toilette. Wir beschlossen für uns den Abbruch aller weiteren Wettfahrten, Rouven fing schon mal an abzubauen und ich legte mich wieder abgedunkelt hin – so endete unsere erste Regatta leider mit einer verfrühten Heimreise.

Bleiben wir optimistisch: Es kann nur besser werden. Wir haben jedenfalls ne Menge Spaß gehabt, unser Boot gratis von Kristof grob eingetrimmt bekommen und somit ganz viel dazu gelernt. Wir freuen uns auf die nächste Regatta.

Eure Kia

KategorieOutside is free
Kia

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Ich bin Kia – eigentlich Saskia – und schreibe hier über meine persönlichen Erfolge, Misserfolge, und Freuden meines Alltags. Ich bin gerne an der frischen Luft und fühle mich pudelwohl, wenn ich mich bewegen kann. Hauptsache kein Stillstand.

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