Sails like teen spirit – back to the roots

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#sailsliketeenspirit

Schwimmen, Rennrad, Laufen – das sind bisher hier auf unserem Blog die sportlichen Themen. Dieses Jahr wird es deutlich nasser, denn ich habe wieder richtig Bock Regatta zu segeln. Also back to the roots!

Auch wenn ich in den letzten Jahren mehr laufend unterwegs war, so ist Segeln die Sportart, die ich quasi mit der Muttermilch aufgesogen habe. Eigentlich hatte ich damals auch keine wirkliche Wahl, der Weg in den Regattasport war vorbestimmt – und das ist nicht negativ gemeint! Mein Papa ist damals als kleiner Junge in die Wassersportgemeinschaft Rumeln-Kaldenhausen, kurz WRK, eingetreten und demnach ein Urgestein des Vereins. Auch in der WRK groß geworden ist mein Cousin Thomas – unter Seglern nur unter dem Namen Shorty bekannt – mein großes Vorbild. Thomas wurde mir immer als leuchtendes Beispiel vorgehalten, jeder Zeitungsschnipsel über seine Erfolge wurde aufbewahrt – als ich damals im Optimisten anfing Regatten zu segeln, habe ich von ihm meine ersten Segelhandschuhe bekommen. Ups, ich werde gerade ein wenig sentimental und schweife ab.

Zurück also zum Wesentlichen: Regatten im Opti folgten irgendwann Regatten in der Europe. Ich war mächtig stolz, als ich damals ins D-Kader kam, doch so schnell ich drin war, war ich auch wieder draußen – andere Geschichte. Lange bin ich sehr happy und als Held vom Mittelfeld, oft mit Platzierungen im ersten Drittel, Europe gesegelt. Bei einer Regatta lernte ich auch meinen Mann kennen, der vom Laser mir zuliebe in die Europe umstieg – okay, es war auch einfach das bessere Schiff im Vergleich zum Laser, aber aus Liebe die Klasse zu wechseln hört sich so schön kitschig an. Irgendwann nach dem Abi und einigen Jahren im Beruf zerbrach die ganze Truppe, mit der ich immer zusammenhing, eben wegen Studium und Beruf. Regatten machten plötzlich keinen Spaß mehr. Als ich dann auf dem Wasser sogar gesiezt und gefragt wurde, ob man mich unterwenden dürfte, zogen Rouven und ich 2006 die Reißleine, auch wenn ich erst zwei Jahre zuvor eine neue Europe bekommen hatte. Wir schmissen das Geld aus dem Verkauf unserer Europes zusammen und kauften einen gebrauchten Korsar bei Mader, an den sind wir übrigens über Shorty gekommen.

Wer hat das Ruder in der Hand?

Zwei Steuermenschen zusammen auf einem Boot, das bot viel Explosionspotential. Ich war zähneknirschend damit einverstanden den Fockaffen zu spielen, wenn Rouven alle Fenster in unserer Altbauwohnung putzt – die waren sehr groß. Somit durfte er steuern. Unter uns: Er hatte einfach nur Sorge sich was zu quetschen – ja, wir wissen alle, dass es genug funktionsfähige Männer in Trapezhosen gibt. Ich habe seine Ängste halbwegs ernst genommen und außerdem hatte ich echt keinen Bock auf Fensterputzen – aber nicht mehr zu steuern, nachdem ich mein Leben lang gesteuert bin, ist hart.

Dummerweise stellte sich nach Training und der ein oder anderen Regatta heraus, dass ich bei mehr als 3 Windstärken die fette Genua im Korsar nicht vernünftig dicht bekam. Und da ich vor jeder Regatta bis kurz vorm Start vor Aufregung kotzend an der Bordwand hing, weil ich einfach nicht damit klar kam nicht mehr zu steuern, sind wir immer weniger bis gar nicht gefahren. Irgendwann haben wir aus Spaß ein Blaues Band bei uns am See mit dem Piraten von Rouvens Papa mitgefahren und hatten so einen Spaß, weil ich die Mini-Fock mit zwei Fingern fahren konnte. Also haben wir den Korsar verkauft und einen Piraten gekauft – 4321 meins. Wir holten den Pirat von Frank Schönfeld the Godfather of Pirat im November 2014 ab. Frank kenne ich seit dem Opti – also als ich noch Opti gesegelt bin. Ich weiß gar nicht, wie da damals der Kontakt von meinem Papa zu Frank entstanden ist, vermutlich auch über Shorty, denn der hatte damals im Pirat segeln gelernt und ist da auf Frank getroffen – egal, ich schweife schon wieder ab, aber irgendwie ist das bei Seglern immer so: kennste einen, kennste alle, oder irgendwer kennt immer irgendwen und überhaupt …

Nun gut, der Pirat musste erst mal überwintern. 2015 sind wir dann leider berufsbedingt wesentlich weniger Auswärtsregatten gefahren als vorgenommen. Und weil wir so eine scheißrutschige, veralgte und steile Slipanlage haben, haben wir den schweren 230 Kilo Kahn zu zweit nur mit allergrößter Mühe aus dem Wasser bekommen. Unsere Slipanlage im Verein ist zwar rutschig aber nicht schlüpfrig: Gemeint ist damit die Rampe, über die man die Boote, die auf sogenannten Slipwagen liegen, ins Wasser lässt und auch wieder rausholt.

Slipping away

Naja, irgendwie war bei uns segeltechnisch die Luft raus und ich habe meinen Sport- und Bewegungsdrang auf Laufen verlagert und wie man in einigen Berichten lesen kann bis zum Triathlon und über meine Leistungsgrenzen hinaus ausgeweitet. Somit hatten wir in den letzten zwei Jahren den Piraten nur an Land liegen und haben ihn nur einmal auf dem Wasser gehabt – viel zu schade für so ein tolles Regattaboot. Nachdem wir das schwere Ding nach Weihnachten ins Winterlager verfrachtet hatten, stellten wir einstimmig fest, dass es besser ist, wenn wir uns von ihm trennen, als ihn noch weitere Jahre ungenutzt rumstehen zu haben.

Da Frank uns damals eingebläut hat, ihn zuerst anzurufen, wenn wir den Piraten jeeeeeeeemals verkaufen wollen, taten wir das auch. Gleichzeitig wussten Rouven und ich unabhängig voneinander: jetzt oder nie 470er. Wieder zurück zur Gleitjolle. Vor einer Woche hat Frank den Piraten zurückgekauft und wir haben seit letzten Samstag unseren 470er, ein dreijähriges Kampagnenboot aus Kiel mit dem Namen Usain. Der Name ist übrigens Programm: denn ab jetzt sprinten wir im DKSC über die Sechs-Seen-Platte und andere Gewässer. Und ein Kampagnenboot bleibt es nach wie vor: Nur das unsere Kampagne nicht Olympia ist sondern #SailsLikeTeenSpirit und für mich nach wie vor #NieMehrFensterPutzen.

Ich glaube die Pause vom Segeln war für mich und vielleicht auch für Rouven sehr wichtig. Denn jetzt ist es wieder da, dieses Kribbeln im Arsch wieder selbigen aufs Wasser zu schieben und zu rocken.

Wir sehen uns auf dem Wasser,

Eure Kia

 

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