No run no fun – mein innerer Beziehungsstatus

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No run no fun

Es ist kompliziert. Mein Beziehungsstatus zu mir selbst und meinen eigenen Zielen muss dringend überarbeitet werden. Da hab ich aber eigentlich keinen Bock drauf, denn aus sportlicher Sicht möchte ich dieses Jahr noch ne Schüppe draufpacken, doch stattdessen ist erst mal Schluss mit lustig.

Für mich ist aktuell leider Zwangspause angesagt, zumindest was das Laufen betrifft. Deshalb habe ich auch nicht am Neujahrslauf teilgenommen, auf den ich mich so gefreut hatte. Eigentlich war der ursprüngliche Plan A), dass ich 4 Runden laufe (12 km), um einen schönen Trainingslauf für den Venloop Ende März zu haben. Doch dann kam letzten Herbst diese blöde Bursitis, die immer noch anhält, dazu später mehr. Der Bursitis zufolge machte ich mir Neujahr dann Plan B): Einfach nur gehen, denn joggen ist aktuell immer noch „Aua“ – eigentlich ist gehen ab einer gewissen Intensität schon „Aua“. Doch jetzt hat sich mein Körper was ganz Tolles einfallen lassen: Blasenentzündung! So richtig heftig, blutig und mit Rückenschmerzen. Was soll das denn jetzt? Das passt mir überhaupt nicht. Schmerzen schon ohne Bewegung. Anscheinend will mein Körper mir gerade mit dem Holzhammer sagen, dass ich mal ganz runterfahren soll. Wie Scheiße ist das denn bitte?! Ich will das nicht! Alle meine Ziele kann ich über Bord schmeißen.

Miss Ehrgeiz will meeeeeeeeeehr

Doch was ist eigentlich los? Nach meiner Olympischen letztes Jahr in Xanten ging es mir super. Statt Pause habe ich aber lauftechnisch im darauffolgenden Urlaub richtig aufgedreht, jeden Tag ein Brötchen-holen-Lauf von 6 km + Radfahren + Wattwanderungen + Strandwanderungen + bloß nicht faul sein, nicht sitzen, bitte immer schön aktiv. Dann kam der 10km Lichterlauf mit meiner persönlichen Bestzeit und dann fing das Dilemma an: Schmerzen in der rechten Hüfte. Also erst mal Laufpause von 5 Tagen – mehr wollte ich mir nicht leisten, da ich mich beim Viactiv Rhein City Run auf der HM-Distanz nicht nur um wenige Minuten verbessern wollte, sondern endlich eine Zeit unter 2 Stunden erreichen wollte. Doch nach einem lockeren 15 km Trainingslauf, hatte ich wieder mega Schmerzen in der rechten Hüfte. Verdammt, das konnte doch nicht war sein. Ich war so gut in Form (für meine Verhältnisse) ich musste mich doch steigern – das sagte zumindest Miss Ehrgeiz in meinem Hirn.

Ja, richtig, in mir wohnen lustige Mitbewohner, die meinen Beziehungsstatus mit mir selbst manchmal strapazieren. Den kleinen Angsthasen habt ihr ja schon mal kennengelernt. Den Schweinehund kennt bestimmt jeder von euch, aber ich habe auch noch Miss Ehrgeiz in meinem Hirn sitzen. Und Miss Ehrgeiz will mehr – und wenn ich sage mehr, dann schreit sie meeeeeeeeeehr!!! Miss Ehrgeiz hat in meinem Hirn die Zügel in der Hand und auch die Peitsche. Die zuckt immer schon leicht, wenn ich mal mehr als einen Lazyday in der Woche habe – also zwei faule Tage. Miss Ehrgeiz findet auch Stabi-Übungen oder Pilates sind Lazytage. Das einzige was für sie zählt ist Power: entweder laufen, oder radfahren oder mindestens schwimmen. Aber schwimmen mindestens 1 Stunde. Wehe wenn ich es nicht rechtzeitig aus dem Büro nach Hause und ins Schwimmbad schaffe, dann macht Miss Ehrgeiz Stress. Dann schickt sie mich noch mal nach dem Schwimmen ne kleine Runde auf die Rolle. Manchmal hasse ich Miss Ehrgeiz.

Doch zurück zum Thema: Was ist eigentlich los? Die Vorbereitung zu meinem Viactiv Rhein City Run lief nicht optimal. Wegen der Schmerzen in meiner Hüfte hatte ich dann doch mal meinen Hausarzt, der auch Sportmediziner ist, aufgesucht und mir Physio verordnen lassen. Zuerst hieß es extreme Verspannungen in der rechten Gesäßmuskulatur, ISG-Blockade und Piriformis-Irgendwas. Dass ich mich regelmäßig sowieso schon mit der Blackroll malträtierte, wurde sowohl von Hausarzt als auch Physio für gut befunden. In den verbleibenden 4 Wochen vor dem Rhein City Run versuchte ich nun einfach nur kurze Tempo Einheiten zu machen, viel stretchen und dann noch mal stretchen und am Wochenende immer nur eine lange Einheit (nicht eine halblang 12 km und am nächsten Tag eine lange 18 km). Die Schmerzen waren jedenfalls weg, das hat mir Miss Ehrgeiz in meinem Hirn zumindest gesagt – Widerworte werden von ihr übrigens nicht geduldet. Beim HM selbst wusste ich nach dem Zieldurchgang nicht mehr, wie ich A) noch Tempo rausholen konnte am Ende und B) überhaupt noch einen Fuß vor den anderen bekommen hatte – ich vermute das ist dann dieses Adrenalin, was einen über sich hinauswachsen lässt. Am nächsten Tag konnte ich mich jedenfalls vor Hüftschmerzen nicht mehr bewegen. Zum Glück hatte ich sowieso in weiser Voraussicht bereits einen Termin beim Physio gemacht, doch der hat mich davon überzeugt, dass ich besser zum Arzt gehen – haha, guter Witz – sollte, denn er hatte schon fast den Verdacht auf Bandscheibe. Aaaaaaa! Panik meinerseits.

Von A bis Z und von Pontius nach Pilatus

Was nun in den letzen 2,5 Monaten folgte war ein Hin und Her zwischen Hausarzt, Physio, Hausarzt, Osteopath, Hausarzt, Osteopath, Orthopäde, Orthopädietechniker mit Einlagen, MRT, Osteopath, Orthopäde, Osteopath und wieder Physio. So froh ich war, dass ich nur einen Monat auf den Orthopäden Termin warten musste und dann auch schnell ein MRT gemacht wurde (wir reden hier über einen Zeitraum von 3 Wochen), so war doch diese Zeit für mich sehr nervenzehrend. Oder kurz gesagt nervzerreißend. Miss Ehrgeiz in meinem Hirn sprang immer wieder auf und ließ die Peitsche knallen, dass ich mich nicht so anstellen soll, das wird schon nichts sein, Zähne zusammen und laufen, hop! Also versuchte ich immer wieder zwischendrin, wenn sich der Schmerz in meiner Hüfte aufs Erträgliche reduziert hatte, mit dem Laufen zu beginnen. Natürlich wird dann so ein kleiner 5 km Lauf am Abend auch durchgezogen – ihr glaubt doch nicht allen Ernstes, dass ich abbreche oder weniger laufe, was meint ihr bitte was Miss Ehrgeiz für einen Terror veranstaltet? Ich sag ja, der Beziehungsstatus mit mir selbst ist schwierig. Doch das MRT-Ergebnis kommt mir etwas zur Hilfe. Wie sich zum Glück rausstellte ist mit meiner Hüfte am Knochen alles in Ordnung, aber ich habe eine fette Bursitis – hört sich nicht ganz so eklig an wie Schleimbeutelentzündung, ist aber eklig schmerzhaft. Und die Muskulatur rund um meinen Allerwehrtesten ist ebenfalls ganz schön überlastet und verspannt. Da ich dank Miss Ehrgeiz in den letzten Monaten immer alles dran gesetzt hatte, mich bloß nicht auszuruhen und wirklich schmerzfrei zu werden, muss ich das jetzt lernen. Zusätzlich versuche ich gerade Miss Ehrgeiz in ihre Schranken zu verweisen. Doch die denkt gar nicht dran. Na gut, sie ist mir ein bisschen entgegen gekommen und erlaubt mir nun nicht zu joggen, dafür schickt sie mich aber mindestens jeden zweiten Tag auf die Rolle – sonst ist die Ausdauer ja bald ganz futsch und ich setze Fett an, davon habe ich leider immer noch genug, da brauche ich nicht wieder mehr von  – ja, ja das Leid mit der Schilddrüse

Läuft? Oder läuft nicht bei mir – das ist hier die Frage

Tja, Miss Ehrgeiz hatte mich zum Neujahrslauf schon so weit, dass ich nur eine Runde walken wollte – dabei bekomme ich immer noch, wenn ich schnell und länger gehe (ich kann es ja auch nicht lassen zwischendrin mal zu testen) Schmerzen. Und weil mein Körper jetzt gar keinen Bock mehr auf mich und meinen Stress mit Miss Ehrgeiz hat, spielt der einfach nicht mehr mit und hat sich jetzt diese Blasenentzündung ausgedacht – großartig, nicht.

Mir ist echt zum Heulen, denn alles was ich mittlerweile nur noch will ist schmerzfrei sein und wieder laufen können. Den Venloop werde ich mir vermutlich abschminken können – vernünftigerweise sollte ich den absagen, aber Miss Ehrgeiz in meinem Hirn macht schon wieder Terror. Es ist echt nicht leicht mit ihr. Jedenfalls versuche ich gerade meinen Fokus auf mein Inneres zu lenken und verwandele Joggen in Yoga. Es gibt da so tolle Channel auf Youtube. Dabei fließen bei mir meist am Ende die Tränen, wenn es darum geht für sich und seinen Körper dankbar und voller Liebe zu sein. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Miss Ehrgeiz in meinem Hirn weint, denn ich finde diese Abschluss-Dankbarkeits-Tadasanas oder wie auch immer das heißt ganz schön. Vielleicht bekomme ich Miss Ehrgeiz langsam dazu, mal aus meinem Hirn runter in mein Herz zu steigen und sich mal gehen zu lassen – nur für kurze Zeit. Das täte ihr und mir und unserem oder meinem Beziehungsstatus mit mir selbst ganz gut.

Wie ergeht es euch in Verletzungsphasen? Ich bin jedenfalls sehr froh, wenn die bei mir hoffentlich bald endet.

Eure Kia

 

 

KategorieEinstellungssache
Kia

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Ich bin Kia – eigentlich Saskia – und schreibe hier über meine persönlichen Erfolge, Misserfolge, und Freuden meines Alltags. Ich bin gerne an der frischen Luft und fühle mich pudelwohl, wenn ich mich bewegen kann. Hauptsache kein Stillstand.

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