Nibelungen Triathlon Xanten: Olympische Distanz – Dabei sein ist alles

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runrunrun

Der 02. September 2018: Der Nibelungen Triathlon, der Tag, auf den ich mich 7 Monate vorbereitet habe. Der Tag, der erst eine Gefühls-Mischung von “Vorfreude“ und „Oh mein Gott, auf was hab ich mich da eingelassen“ in mir hervorrief.

Der Tag, der mich vor etwa 4 Monaten, sehr zuversichtlich hat sein lassen, als ich mein Training mit Trainingsplan organisiert habe. Der Tag, der mich die letzten 2 Monate in eine emotionale Achterbahn katapultiert hat, weil Arbeit und Training größtenteils nicht miteinander vereinbar waren. Der Tag, für den ich mich in den letzten 2 Wochen davor täglich mehrfach verflucht habe. Der Tag, der mich 4 Tage zuvor noch zu absoluter SelbsthassBestzeitLaufleistung gepusht hat. Der Tag, der mich in der Nacht davor kaum hat schlafen lassen. Der Tag, der mit viel Schmerz und Erschöpfung aber mit noch mehr Freude, Stolz, Pommes und pisswarmem Piccolöchen endete. 

Nibelungen Triathlon – Check-In

Am Tag vor dem Nibelungen Triathlon habe ich noch eine kleine Schwimmeinheit eingelegt, die mich sehr zuversichtlich gemacht hat, zumindest was diese Disziplin betrifft. Dummerweise hatte ich neben mir zwei Leute auf der Bahn die auch kraulten, das kleine Wettkampftier in mir wollte immer Gas geben und mein Hirn hat immer versucht zu bremsen – hat nicht so geklappt. Da ich die Tage vorm Wettkampf noch mit einem MagenDarm-Infekt zu kämpfen hatte, war ich nach dem Schwimmen doch so platt, dass ich ein tiefes Mittagsschläfchen machen musste. Anschließend habe ich meine Renntasche gepackt, die Luft in den Reifen noch mal gecheckt und weiter gechillt. Die Nacht war leider bestimmt von sehr leichtem bis keinem Schlaf, früh morgens gepaart mit Übelkeit. Ich kann es einfach immer noch nicht steuern. Vor jedem Wettkampf – egal ob früher bei Regatten, oder jetzt bei Laufveranstaltungen oder Triathlon – mir ist jedesmal kotzübel. Außerdem war ich noch nie ein Frühstücker – also zumindest nicht vor 10 Uhr. Schon damals musste ich mir das Frühstück runterzwingen, bevor ich in die Schule ging, aber auf Frühstück bestanden meine Eltern nun mal, da gab es keine Diskussion. Also habe ich auch diesen Morgen versucht meine Haferflocken mit Banane zu essen. Ging nicht. Ich hab 5 Löffel geschafft und kämpfte gegen den Würgereflex.

Die Fahrt zum Nibelungen Triathlon nach Xanten ist von Duisburg aus mit nur 45 Minuten ein Klacks und sonntags ist auf der Strecke um diese Uhrzeit auch kein Verkehr. Dementsprechend verlief alles sehr entspannt – abgesehen von meinem rebellierendem, nervösen Magen. In Xanten waren schon frühzeitig Schilder, die auf den Nibelungen Triathlon verwiesen – alles perfekt ausgeschildert. Bei der Anmeldung war kein Andrang, beim Check-In auch nicht. Einziges Manko war die falsche Anweisung, wo ich mein Bike parken sollte. Meine Freundin Christina und ich hatten unsere Räder gemäß Anweisung in einen Ständer geparkt, an dem Liga Aufkleber waren. Der Anweiser, versicherte uns aber, dass wir da stehen sollen, obwohl wir mehrfach gefragt haben, ob das so richtig ist, eben wegen dieser Liga-Schilder. Kurze Zeit später wurden wir angehalten unsere Räder und alle weiteren Klamotten um zu platzieren – Stress, den man nicht unbedingt braucht. Genauso wenig wie Dixi-Klos, wo man sich nicht entscheiden kann zwischen Kotzen oder pinkeln – zumindest, wenn man so ein Nervösling ist wie ich. Egal, umziehen, in den Neo quetschen und ab zum Schwimmstart. Am Strand noch ein kurzes Wettkampfbriefing, obwohl online schon alles perfekt beschrieben war, kurzes Einschwimmen und dann wurde es ernst.

Auf die Plätze. Fertig. Los.

10:30 Uhr Schwimmstart aller Damen AKs inklusive Liga-Damen. Ich hatte mich schon nicht direkt vorne einsortiert, weil ich A) weiß, dass ich nicht die Schnellste bin und B) keinen Bock hatte überschwommen zu werden oder Tritte zu kassieren. Soweit die Theorie, überschwommen wurde ich trotzdem und einige Tritte gab es gratis dazu – vermutlich habe ich daher auch meinen fetten blauen Fleck am linken Handgelenk, ich kann ihn mir zumindest nicht anders erklären. Das Wasser war trotz Neo echt kalt, aber ich bin die ganze Strecke komplett gekrault. Ich bin innerhalb der 7 Monate Vorbereitung vom absoluten Krauldesaster zu einer immerhin passablen Kraulschwimmerin geworden – im Vergleich zu echten Schwimmerinnen aber immer noch eine Vollkatastrophe. Nach 36 Minuten war ich aus dem Wasser raus gepaart mit dem Gefühl, dass es läuft. Ab in die Wechselzone, Neo aus, kurz abtrocknen, ab in den linken Socken (ohne Socken habe ich sofort Blasen), jetzt noch schnell der rechte Socken, jetzt noch schnell der rechte Socken, jetzt noch schnell der rechte Socken, jetzt noch schnell der rechte Socken, jetzt noch schnell der rechte Socken, jetzt noch – verdammt!!! Komplette Wechselzeit im Arsch! Dann endlich auch in den rechten Socken, und im behämmerten Klickschuhschritt Richtung Radstrecke eiern.

42 km Rad können unendlich lang sein

Die Radstrecke beim Nibelungen Triathlon verlief in einer langen Kurve, war flach, komplett abgesperrt, also ohne Auto, eigentlich genau mein Ding, musste 5 mal gerundet werden. Soweit die Theorie. Die Praxis war ein Desaster. Ich saß total schmerzhaft im Sattel. Falls es irgendwem zu intim wird, bitte jetzt den nächsten Absatz überspringen:

Ich gehöre leider zu den Frauen, deren innere Schamlippen auf dem Sattel ein Eigenleben haben. In einer Radhose ohne Träger, in die ich auch zum Umsortieren mal reingreifen kann und mit normalem Polster habe ich keine Probleme. Mein Rad und vor allem Sattel ist sehr gut auf mich eingestellt – danke an dieser Stelle an Komsport in Köln – und ordnungsgemäß eingeschmiert hab ich mich auch. Aber ich hatte höllische Schmerzen. Bevor ich mein Rad habe einstellen lassen, hatte ich die gleiche Problematik. Ich konnte keine Radtour durchstehen, ohne mehrmalige Pausen mit Zurechtrücken einzulegen. Ich hatte mir sogar schon die Frage gestellt, ob ich mich extra zum Radfahren operieren lassen müsste. Mit meinem Gynäkologen, der zum Glück auch Radfahrer ist und deshalb versteht, dass man diesen Sport nicht aufgeben will, hatte ich über mein Problem ebenfalls gesprochen. Sein Rat: Einschmieren, nicht rasieren – was ich für mich kategorisch ausgeschlossen habe – und definitiv Rad einstellen lassen. Zwischendurch hatte ich mir schon diese Gelkissen, die man sich unter den Fußballen in die High Heels kleben kann, in den Schritt gepackt, was auch schon lindernd wirkte. Ich durchforstete das Netz in Foren nach Erfahrungsberichten über Sattel, speziell für Frauen und hatte auch schon mit einem geliebäugelt, obwohl meiner – ein Figura Woman XT schon ganz gut ist und bei Rose die wenigsten Rückläufer hat. Aber Kat riet mir, ich solle meinen Komsport Termin abwarten. Und siehe da, danach war alles super. Also, wer das hier gelesen hat und eine ähnliche Problematik hat oder eine Radfahrerin kennt, die dieses Problem betrifft, ich kann da wirklich nur den Tipp geben, einmal in ein professionelles Bikefitting zu investieren. Auf den ersten Blick ist das immer eine Menge Geld, aber dafür hat man danach meist eine bessere Kraftübertragung, sitzt angenehmer, hat ein besseres Fahrgefühl und entsprechend viel mehr Spaß. Kat geht mit allen Rädern und Schuhen seit Jahren dort hin und hatte mich vor 2 Jahren zum ersten Mal zu Komsport gebracht. Seitdem fühle ich mich da in sehr guten Händen. Aber natürlich gibt es auch andere Bikefitter, das sollte jetzt kein Werbeblock werden, ich bin nur 100% von den Leistungen dort überzeugt.

Ab hier können Intim-Phobiker wieder einsteigen:

In der 3. Runde waren die Schmerzen so heftig, dass ich nicht mehr konnte. Ich musste anhalten und mich irgendwie untenrum umsortieren. Da mir zusätzlich auf der Strecke die Finger ganz extrem eingeschlafen sind, teilweise taub waren und krampften, meine Beine auch schlapp machten, war das nicht gerade einfach. Also noch kurz etwas mehr trinken als den obligatorischen Schluck zwischendurch, Gel reinpfeifen und weiter. Die letzten zwei Runden liefen dann etwas besser, wenn da nicht auf der halben Strecke auf einmal so wahnsinnig viel Gegenwind gewesen wäre. Egal, ich wollte nur noch runter vom Rad. Aber da ich so eine Olympische Distanz zum ersten Mal mache, war ich mir unsicher, wie viel ich powern kann, um nach hinten raus nicht schlapp zu machen. Nach unerträglichen 01:45:22 (meine Zeitmessung, nach Ergebnisliste 01:56:30, warum auch immer) war ich endlich in der Wechselzone. Rad abstellen. Kurzer Schuhwechsel und dann ab auf die Laufstrecke.

Läuft bei mir – leider in Begleitung vom Mann mit dem Hammer

Mit einem 5:15er Schnitt lief ich ich los, pendelte mich bei einem 5:40er Schnitt ein und hatte das Gefühl, dass es jetzt trotz der kraftraubenden Radhölle wieder lief. Doch der Schein trügt. Keine Ahnung, ob das der berühmte Mann mit dem Hammer war, der mir zum Glück noch nie begegnet ist, aber meine Beine wollten mal so gar nichts mehr – dabei war da doch gerade erst die 6km Marke erreicht. Egal, hilft ja alles nichts, also gehen, Gel reinkippen (das hatte ich auch schon in der Wechselzone bevor ich auf die Laufstrecke ging getan) und irgendwie weitermachen, zwischendurch gehen – vor allem an der Verpflegungsstation. Ich war so kraftlos in den Beinen, dass ich noch nicht mal mehr sauer auf mich sein konnte. Normalerweise kann ich mich durch meine Wut auf mich selber immer ganz gut anspornen, aber jetzt ging es nur noch um ankommen. Um so schöner, dass ich das Ziel dann nach einer gefühlten Ewigkeit im Fegefeuer nach 01:05:31 erreichte. Ich war so platt, dass ich total froh war im Zielbereich erst mal für mich alleine sein zu können, durchatmen, Melone essen, Wasser trinken und einfach nur doof im Schatten stehen und es nicht fassen zu können, dass ich es hinter mir habe, bevor ich draußen meinen Mann und meine Freunde umarmen konnte.

Swim. Bike. Run & Frietjes

Die ersten Worte zu meiner Freundin Christina, mit der ich Anfang des Jahres diese bescheuerte Schnappsidee zu dieser für mich höllischen Olympischen Distanz beim Nibelungen Triathlon hatte, waren: „NIE WIEDER!“ Erlöst und glücklich genossen wir unsere so was von zurecht verdienten AfterRaceFrietjes und ein pisswarmes Piccolöchen, das Christina zu meiner Überraschung mitgebracht hatte. Vor lauter Erschöpfung, gepaart mit Glückseeligkeit darüber im 7. Frietjes Himmel zu schweben, haben wir die Siegerehrung überhaupt nicht mitbekommen – schade, denn ich bin doch tatsächlich auf‘s Treppchen gekommen. Ich bin 3. In meiner AK geworden!!! Okay, es gab auch nur drei AK 35 Frauen. Aber HELL YEAH!!!

Jetzt mit so ein bisschen Abstand, einer heißen Badewanne, satt und einer komatösen Tiefschlafnacht, schreit der kleine Ehrgeiz in mir nach einer Revanche gegen mich selbst, zumindest was das Radfahren betrifft. Ich stelle mich vorerst noch ein wenig taub.

Welche Gefühle habt ihr vor, in und nach Wettkämpfen oder nach Situationen, die ihr gemeistert habt? Ich freu mich auf eure Kommentare.

Kia

Kommentare 3

  1. Hey du,
    ich bin auch immer mega aufgeregt, egal was ist. Was mit hilft, ist, die Situationen so oft wie möglich vorher durchzudenken (also, z.B. wie flicke ich einen Reifen?). Und dann muss man einfach durch… Aber das hast du ja geschafft! Herzlichen Glückwunsch!
    Beste Grüße,
    Lotta
    PS: Ich bin etwas verwirrt. bei Insta gabs nen Post, dass du schon eine MD gemacht hast!?

    • Kia

      Hi Lotta,
      danke 🙏
      Die MD und auch die WM hat Katrin, also Kat, bestritten. Wir schreiben das Blog zusammen, aber von mir gibts mehr zu lesen 😂

      Lieben Gruß,
      Kia

  2. Pingback: Zwemloop Drakenrijk – schwimmen und laufen auf holländisch

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