Zwemloop Drakenrijk – Schwimm-Lauf auf Holländisch

Schreibe einen Kommentar

Alles fing mal wieder damit an, dass meine Freundin Christina anrief und amüsiert erzählte, dass bei ihr im holländischen Nachbardorf (sie wohnt in der Gegend von Brüggen) am 01. Juli 2018 der Zwemloop, also ein Schwimm-Lauf-Wettkampf stattfindet, organisiert von De Grensrunners.

Das wäre doch eine klasse Trainingseinheit für uns, als Vorbereitung für unsere erste Olympische Distanz beim Nibelungen Triathlon in Xanten. Ein Blick online auf die Veranstaltung sagte mir, dass es bestimmt lustig wird im BillyBirdPark „Drakenrijk“. Da ich selber mit niederrheinischem Plattdeutsch aufgewachsen bin und ganze Sommerferien in Holland verbracht habe, bin ich ganz gut in der Lage niederländisch zu lesen und auch halbwegs zu verstehen. Christina so: „Wir machen dann die Kombi 500m Schwimmen und 5 km Laufen, okay?“ Ich so: „Quatsch! Wenn wir das als ernstzunehmende Trainingseinheit sehen wollen, machen wir natürlich 1000m Schwimmen und 10 km Laufen!“ Innerlich ohrfeigte ich mich schon selbst: Dass ich aber auch immer so eine große Klappe haben muss. Christina stimmte dann auch noch dummerweise zu und da hatten wir den Salat.

Noch drei Wochen Zeit bis zum Zwemloop, also jetzt mal Gas geben mit Kraulen üben im See. Wer meinen Bericht von meinem Sassenberg Triathlon über die Sprint Distanz gelesen hat, weiß, dass ich eine leichte See-Phobie habe und mein Hirn ganz großartige Phantasien über böse Algen, Riesenwelse und Hechte oder ausgesetzte Krokodile, die mich angreifen, zusammenspinnt. Vor lauter Angst bekomme ich das dann nicht hin mit dem Kopf unter Wasser zu liegen und an Kraulen ist nicht zu denken. Aber diese Challenge war mir ja bereits Anfang des Jahres bekannt, als ich mich für den Nibelungen Triathlon angemeldet habe. Also: Attacke!

Drei Wochen gehen schneller um, als man denkt.

Am Tag vor dem Zwemloop habe ich wie immer meine Sachen gepackt, 5 mal ein- und ausgeräumt um zu checken, dass auch wirklich alles dabei ist. Noch mal mit Christina telefoniert, sich gegenseitig gut zureden und Mut zusprechen, dass wir das schon schaffen, dabei innerlich denken wie bescheuert man doch ist und dann sicherheitshalber doch auch den Neo eingepackt. Die Aufregung in mir stieg schon wieder und die Nacht war wie zu erwarten kurz. Start sollte um 11:15 Uhr sein, also fuhren wir um 8 los, sammelten Christina ein und waren um 9:30 Uhr am BillyBirdPark in Drakenrijk. Die Schwimmstrecke war online beschrieben, dass sie im Badesee des Freizeitparks und die Laufstrecke durch und um den Park verlaufen sollte. In meinem kleinen, bunten, lustigen Hirn hatte ich mir die Veranstaltung riesig vorgestellt. Ich erwartete Menschenmassen, lebensgroße Drachen am Eingangstor, Gaukler und Jongleure im Steinzeitkostüm, Studentenjobber, die in Drachenkostümen rumlaufen und erbärmlich bei 30 Grad schwitzen müssen, einen leicht maroden 60er Jahre Park mit quietschbunten Drachenfiguren teils im Wald versteckt, auf denen Kinder rumkletterten und natürlich Zuckerwatte an den Verpflegungsstationen. Nun ja, Vorstellung und Wirklichkeit klaffen manchmal doch erheblich auseinander: Am Kreisverkehr vor dem Veranstaltungsort des Zwemloop, war immerhin eine moderne Drachen-Stahl-Statue. Der Austragungsort selbst war eigentlich nur ein sehr leeres Freibad, dessen See noch ausgebaggert wird. Wir kamen auf einen riesigen leeren Parkplatz auf einer großen Wiese, von wo aus man schon den gut sichtbaren, luftgefüllten Start-/Zielbogen und nebenan zwei kleine Pavillions sehen konnte. Mit ein wenig offenen Mündern stiegen wir aus dem Auto und suchten die Menschenmassen, die in unserer Vorstellung bei so einem Zwemloop anzutreffen sind. Vielleicht sind wir ja doch irgendwo falsch abgebogen? Aber nein, eine freundliche Frau begrüßte uns und deutet uns den Weg zu dem Start-/Zielbogen. Also doch die richtige Veranstalung hier, also erst mal anmelden und einchecken. Einen Überblick hatten wir schnell: Die Wechselzone bestand aus 4 Bierzeltbänken zum Quadrat aufgestellt und einem Wassertrog in der Mitte zum Füße entsanden. Das wars. Wir waren ziemlich baff. Aber zeitgleich fiel mit einem Mal jegliche Anspannung und Aufregung von mir ab und ich fühlte mich richtig gut. Zu meiner großen Freude entdeckte ich tatsächlich unter den Bäumen einen großen, roten, häßlichen Drachen, der bestimmt aus den 60ern oder doch zumindest aus den späten 70ern war. Kreischend vor Glück mussten wir natürlich erst mal ein Foto mit ihm machen.

Langsam kamen einige Leute mehr. Alle tiefenentspannt – vermutlich typisch holländisch. Alle in Badehose oder Tri-Einteiler. Christina und ich dachten, okay, dann lassen wir das mal mit dem Neo, sonst denken nachher fälschlicherweise alle wir seien voll die Profis. Also erst mal Wasser testen – brrrrr, ganz schön frisch. Zum Glück entdeckten wir dann den ersten Mann, der sich in seinen Neo quetschte und einen weiteren und noch einen – na dann: Wenn sogar die harten Männer hier Neos anziehen, können wir das auch, dann sind wir ja doch keine Mimis. Zack Neo angezogen um am Strand festzustellen, dass plötzlich alle um uns herum ebenfalls Neos tragen, bis auf 3 oder 4 Ausnahmen. 

Auf die Pläzte. Fertig. Zwemloop!

11:00 Uhr Briefing durch den Wettkampfleiter am Strand. Etwa 30 Sportler und ich hatten sich nun am Start eingefunden. 11:15 Uhr Startpfiff. Wir rannten alle los ins Wasser. Freischwimmen brauchte ich mich gar nicht, weil einfach so wenige Teilnehmer da waren, dass es gar kein Hauen und Treten gab. Überschwommen wurde ich auch nicht, aber mit Kraulen war leider auch ganz schnell bei mir Schluß, da ich nun wohl doch wieder sehr aufgeregt bzw. hektisch war und meine Atmung nicht unter Kontrolle hatte. Brustschwimmen funktioniert im Neo leider nur so semi gut bei mir, also drehte ich mich auf den Rücken und kraulte weiter. Zum Glück habe ich einen ganz guten inneren Kompass, so dass ich weder beim Kraulen noch beim Rückschwimmen vom Kurs abkomme. Außerdem habe ich mich einfach an der Schwimmleine orientiert. Ich wechselte also immer zwischen Brustkraul und Rückenkraul ab. Die erste Runde war geschafft, also raus aus dem Wasser, über den Sand, um die Fahne, rein ins Wasser und zweite Runde schwimmen. An meiner Taktik mit dem Lagenwechsel hielt ich fest und kam als Viertletzte aus dem Wasser.

Schnell über den Sand in die Wechselzone stolpern, Neo ausziehen und – verdammt! Feststellen, dass man die Uhr über dem Neo hat und mit dem Arm nun festhängt. Also wieder Neo über den Arm fummeln, Uhr ausziehen, wieder aus dem Neo schälen, Füße vom Sand reinigen, Laufsocken an (weil sonst Blasen an den Füßen), rein in die Schuhe und ab auf die Laufstrecke. Durch mein Wechselzonen-Desaster war ich nun Vorletzte.

Lektion 1: Nederlands for lopers

Mittlerweile war es richtig heiß. Die Laufstrecke des Zwemloop führte um den Baggersee herum über eine Asphaltstrecke. Nirgends ein Baum, nirgends Schatten, ich ohne Mütze. In der zweiten Runde wurde ich überholt, jetzt war ich wirklich Letzte. Am Arsch und im Arsch. Und mein Mageninhalt kam mir auch noch hoch. Spucken, Rest runterschlucken, weiterlaufen. Echt kein Spaß. Ich kämpfte mit meinen inneren Dämonen, die mich schon auslachten und mich zum Aufgeben drängten, weil von so einer wie mir eh nichts zu erwarten ist. Die anderen sind echte Sportler, ich nur das dicke Ding, das mitspielen will. Doch dann kam John, mein Retter. Nein, eigentlich nur der radelnde Streckenposten, der nun dazu verdammt war, neben mir, dem lahm dahinkriechenden Schlusslicht herzurollen. John plapperte auf Niederländisch auf mich ein und ich antwortete ihm auf Englisch. Das hat ihn irritiert und er fragte, ob ich aus England sei, denn Saskia sei doch ein typisch holländischer Name (den ich übrigens Rembrandts Frau zu verdanken hatte, weil meine Eltern seine Bilder so toll finden). Ne, aus Duisburg in Deutschland erzählte ich ihm. Dann antwortete er auf Deutsch. Mir ist das immer so peinlich, wenn ich in Holland bin und gefühlt alle Holländer in der Lage sind auf Deutsch zu antworten und ich selbst nur wenige Brocken wie Bitte, Danke, Hallo, Tschüß, Eins, Zwei, Drei und Pannenkoek hervorbringe.

Jedenfalls rollte John nun neben mir her und wich auch nicht mehr von meiner Seite – okay, das war nun mal jetzt sein Job, aber ich glaube er fand es doch auch ein wenig nett mit mir. Wir einigten uns darauf, da ich diejenige mit dem strapazierenden Part war und joggen musste, dass er mit mir eine kleine Gratis-Nederlands-Lektion machte, in der ich aber nur mit „Ja“ und „Nee“ antworten musste. Zusätzlich bekam ich von ihm immer die Info, wenn ich mein Tempo steigerte oder langsamer wurde. Perfekt. John half mir durch die verbliebenen 2 Runden. Auf den letzten Metern begleitete mich Christina, die natürlich viel schneller im Laufen ist als ich und schon längst gefinished hatte. Im Ziel waren alle Teilnehmer versammelt und feierten meinen Zieleinlauf. Irgendwie war mir das fast ein bisschen peinlich, aber ich hatte ja schon auf den Runden davor nichts dagegen tun können, dass der Moderator ständig meinen Namen nannte und irgendwas zu mir kommentierte, wenn ich auf die nächste Runde ging. Aber andererseits war das auch wieder ganz nett, weil er das mit allen gleich gemacht hatte – egal ob der Gewinner die beiden Disziplinen in unter einer Stunde geschafft hatte oder ich, in 01:27:07.

So sehen Sieger aus

Zur Abkühlung sprang ich erst mal wieder in den See. Dann umziehen und Siegerehrung. Da der Zwemloop eine so kleine und familiäre Veranstaltung war, wären wir uns arschig vorgekommen, wenn wir die Siegerehrung nicht mitgefeiert hätten, zumal auch die Kinderläufe, die vor uns gestartet waren und die Staffeln und die kleine Distanzkombi alle mit geehrt wurden. Und dann kam die große Überraschung: Ich landete auf dem Treppchen. Denn für die große Distanz gingen nur 3 Frauen an den Start. Es war einfach nur lustig und schön. Christina auf Platz 1, Zweite wurde eine Niederländerin und ich auf Platz 3. Sehr geil.

Im Anschluss an die Zwemloop Siegerehrung sind wir zum Strandbad Kiosk gegangen und haben uns erst mal unsere obligatorischen AfterRaceFrietjes bestellt, die jetzt zu Siegerfrietjes veredelt worden sind. Im Schatten, auf schrömmeligen Plastikstühlen, an Plastiktischen, mit Frietjes, Sonnenschein und Strand, fühlten wir uns einfach großartig: K.O. aber glücklich. Doch die sengende Sonne auf der Laufstrecke und meine fehlende Mütze forderten ihren Tribut: ich hatte so starke Kopfschmerzen, dass wir dann doch vorzeitig nach Hause gefahren sind. Ursprünglich wollten Christina und ich noch am Strand chillen und natürlich auf das Riesen-Hüpfkissen klettern, das im Strand installiert war – aber das machen wir dann hoffentlich beim nächsten Mal. Der Zwemloop in Drakenrijk hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir oder zumindest ich im nächsten Jahr gerne wieder am Start sind.

Wie seht ihr das? Seid ihr lieber auf Großveranstaltungen oder findet ihr kleine, familiäre Wettkämpfe genauso gut. Ich mache Sportveranstaltungen primär nur für mich, damit ich mich selber zu regelmäßigem Training motivieren kann. Deshalb ist es mir persönlich ganz lieb, wenn die Veranstaltungen kleiner sind.

Eure Kia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.