The Rolling Stones No Filter Tour – now I am satisfied

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Yeah! The Rolling Stones No Filter Tour in Düsseldorf

You can’t always get what you want, but if you try sometime you find you get what you need … and I found happiness. Nein, ich bin kein Kind der 60er, aber mich begleiten die Rolling Stones schon seit klein auf – ich habe sie trotz meines 80er Jahrgangs quasi mit der Muttermilch aufgesogen und vermutlich bin ich auch schon in Utero praenatal von den Stones geprägt worden – danke Mama und Papa. Ich erinnere mich an den Plattenspieler meiner Eltern und an diese magischen schwarzen Scheiben, die mein Papa immer ganz vorsichtig, wie rohe Eier, behandelt hat, an das Absenken der Nadel und an das Rauschen und Kratzen – verbunden mit der freudigen Spannung, welches Lied erklingen wird – und dann diese Stimme. Irgendwann ging unser Plattenspieler nicht mehr – trotz meiner Faszination für dieses Ding: ich war es nicht – aber mir blieben zum Glück die Mixtapes meiner Eltern und mein Pumuckl-Kinderkassettenplayer. Vermutlich war ich die einzige in der Grundschule, die Matthias Reim, David Hasselhoff und die Rolling Stones gehört hat. Den beiden erst genannten habe ich ganz schnell wieder abgeschworen, die Stones haben mich begleitet und sind der Grundstein für meinen Musikgeschmack – bis heute.

The Rolling Stones – es ist Voodoo

Als die Stones auf ihrer Voodoo Lounge Tour durch Deutschland kamen – war ich in der 9. Klasse. Eine Mitschülerin hatte das Glück, dass sie dort hingehen durfte – ich war sooooooooooo neidisch, ich war doch der viel größere Fan. Ich durfte damals leider nicht zum Konzert. Mein Papa erzählte mir, dass er die Stones damals in München in einem kleinen Club gesehen hatte – darauf bin ich auch heute noch ein bisschen neidisch, dass er diese Kult-Band ganz am Anfang ihrer Karriere gesehen hatte und später auch noch mal in Essen, als sie dann bekannter waren. Ich habe mir jedenfalls geschworen, dass ich, sollten sie noch mal auf Tour gehen, dabei sein will. Damals wusste ich noch nicht, wie teuer solche Tickets sind.

Jahre später hatte mein Mann, damals noch mein Freund, die Chance zum Stones Konzert in Oberhausen im Rahmen ihrer “Licks” Tour zu gehen – ich habe ihm viel Spaß gewünscht und habe versucht mir die Enttäuschung darüber, dass ich nicht mitkonnte, nicht ganz so doll anmerken zu lassen. Jedoch machte ich mehr als deutlich, dass ich die Rolling Stones bei nächster Gelegenheit live sehen will. Einige Jahre später fragte seine Schwester über Facebook, ob jemand kurzfristig Tickets für die “On Fire” Tour in Düsseldorf kaufen möchte, Freunde von Freunden hätten welche abzugeben. Ich rief sie an und fragte sie, ob sie noch alle Latten am Zaun hätte, weshalb sie mich nicht direkt fragt, statt öffentlich auf Facebook?!!!! Darauf erzählte sie nur, dass sie meinem Mann, also ihren Bruder, als erstes gefragt hätte und er aber „Nein“ gesagt hätte. Jetzt konnte Rouven froh sein, dass ich keine Voodoo Puppe hatte, sonst wäre er ziemlich “on fire” gewesen – ich war wütend und traurig und enttäuscht, dass er anscheinend nicht wusste, wie wichtig mir die Stones sind – in etwa so wichtig wie ihm Pink Floyd, nur noch mindestens 2 mal so viel, ich glaube das war dann endlich die Maßeinheit, die er versteht. Außerdem habe ich ihm mehr als deutlich gemacht, dass ich zum nächsten Konzert der Stones, sollte es noch jemals eine Tour hier in Deutschland geben, hingehen werde – koste es was es wolle und sei es noch so idiotisch, weil man die Jungs eh nur auf der Leinwand sieht, da man nicht nah genug an die Bühne kommt, wenn man nicht schnell genug in der Halle ist. Klar war auch, dass es auf jeden Fall Innenraum-Tickets sein sollen – bei Konzerten (mal abgesehen von komplett Bestuhlten) muss ich mich bewegen können und Leute und Stimmung spüren, das funktioniert für mich nicht, wenn ich einen Sitzplatz auf irgendeinem Rang habe, deshalb konnten mich damals Lenny Kraviz und U2 leider nicht wirklich emotional vom Hocker hauen.

You can´t always get what you want …

…but if you try sometime you find you get what you need. Als die diesjährige Rolling Stones “No Filter” Tour angekündigt wurde und dabei auch Düsseldorf auf der Liste stand, war ich mehr als begeistert – ich hatte schon befürchtet, dass sie es hier in Deutschland nicht mehr zusammen auf die Bühne schaffen, nicht weil sie sich miteinander verwerfen, wie andere Bands, sondern möglicherweise krankheitsbedingt. Am Tag des Ticket-Verkaufsstart hatte ich morgens um 8 einen Arzttermin und konnte demnach nicht selber online gehen, also hat Rouven das übernommen – und tatsächlich: er hat 2 Tickets gekauft. 10 Minuten nach Verkaufsstart, war bereits alles ausverkauft – ich war so froh, dass ich diesmal die Chance hatte, die Stones live zu sehen. Jetzt hoffte ich ein halbes langes Jahr lang, dass dieses Konzert auch wirklich stattfinden wird.

Am 09.10. wachte ich morgens schon total aufgeregt auf – vermutlich war ich das letzte Mal im Kindergarten- oder Grundschul-Alter so erwartungsfroh wie jetzt: Für mich war dieser Tag wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Den ganzen Tag zappelte ich wie bekloppt auf meinem Bürostuhl rum und machte mich mehr als pünktlich aus dem Staub, um schnellstmöglich reinzukommen. Aber leider habe ich die Rechnung ohne das Taschendiktat gemacht. Online war zu lesen, dass Taschen nicht größer als DinA4 sein durften – an den Einlass-Schleusen stand aber auf den Zetteln, dass Taschen nur kleiner als DinA5 erlaubt waren. Ich war richtig angepisst, hatte meine kleine Tasche vorher noch in die Kategorie gepasst, war sie nun zu groß (20×20 cm) und ich musste mich in die Schlange am Taschencontainer anstellen – das hat 1 Stunde gedauert, weil es einfach richtig schlecht organisiert war und nur zwei Menschen im Container die Taschen angenommen haben. Dann haben wir noch mal 1 Stunde gebraucht, um endlich durch mehrere Sicherheitskontrollen/Schleusen zu gelangen und im Innenraum zu stehen. Also ab Einlass haben wir 2 Stunden gebraucht, damit war ein guter Platz im Innenraum nicht mehr drin. Ich gebe zu, bei mir war das Frustlevel sehr hoch – so lange hatte ich auf diesen Tag hingefiebert und dann das. Aber okay, safety first. Doch als endlich die ersten Töne von “Sympathy For The Devil” ansetzten und nacheinander die Stones auf die Bühne kamen, war jeglicher Frust vergessen. Mir stand vor Freude das Wasser in den Augen – selbst jetzt wo ich darüber schreibe, kommen die Tränen wieder hoch, weil mich die Stones so sehr emotional bewegen. Erklären kann ich es nicht, es ist einfach ein Gefühl und es ist überwältigend.

Hatte ich meine Tränen nach “Sympathy For The Devil” und “It´s Only Rock´n Roll” wieder im Griff, kamen sie erneut bei “Get Off Of My Cloud” wieder hoch – eins der Lieder, die ich damals schon immer geliebt habe. Ab dem Moment habe ich beschlossen, dass es offensichtlich vergeblich ist, meine Tränen zurückzuhalten, denn die würden bei vermutlich fast jedem Lied hochkommen – dann sollte es eben so sein: für mich sind die Rolling Stones emotional mehr als ergreifend.

Satisfaction

Es war von da an für mich nicht mehr schlimm, weit von der Bühne entfernt zu stehen, oder dass der Sound nicht so umwerfend war, wie von mir erwartet – Konzerte müssen meinen Körper einfach zum Schwingen bringen, ich brauche Bass und Vibration im Bauch – ich war einfach nur non stop glücklich. Die Stones versprühen auf der Bühne eine Energie und Freude, die einfach unbeschreiblich ist. Wenn man diese wirklich alten, zerfurchten Gesichter und Hände im Großbild auf der Leinwand sieht, fragt man sich vielleicht kurz, ob denn nicht endlich mal gut ist mit ihrem Tourleben, aber dann sieht man die Konzentration in ihren Gesichtern, die Blicke, die sie sich untereinander zuwerfen, die Einsätze, die sie sich gegenseitig geben, dieses Zusammenspiel aller, das nicht immer perfekt ist, genauso wie einzelne Griffe und Töne nicht immer sauber sind, aber genau dadurch alles perfekt wird, dann realisiert man, dass es genau das ist, was den Stones Spaß macht: Musik. Emotion zu erzeugen und das Publikum zu erreichen – ungefilter: “No Filter”.

Ich habe die Rolling Stones live im Konzert erlebt und natürlich ist es eine komplett subjektive Meinung, hervorgerufen durch meine Emotion, die ich mit ihren Songs verbinde, aber ich bin mehr als sehr zufrieden nach Hause gegangen. Ich kann verstehen, weshalb “Satisfaction” zum Schluss und als Zugabe gespielt wurde – ich hätte darauf verzichten können, da ich weniger den Song nicht mag als die Tatsache, dass die Stones häufig auf diesen reduziert werden – aber ich glaube Mick und den Rolling Stones, dass sie diese Befriedigung, die sie dem Publikum geben und damit immer wieder sich selbst, so lange, wie es eben gemeinsam geht, erleben wollen. Ich glaube Konzerte geben ist für die Rolling Stones wie ein Perpetuum Mobile, das sie immer wieder mit Energie versorgt, auch wenn sie selber so viel Energie verteilen. Mit diesem Song endet also mein Hunger nach wenigstens einer Live-Konzerterfahrung mit den Rolling Stones – allerdings mit dem Ausblick auf eine möglicherweise weitere Tour. Ich wünsche den Stones und ihrem Publikum noch möglichst viele solcher glücksbringenden Momente.

Hier noch die Setlist von Düsseldorf.

Welche Bands/Musiker liebt ihr, die euch live umhauen, die euren musikalischen Grundstein gelegt haben?

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