Mein Weg zum Triathlon

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Am 06.08.2017 habe ich meine erste Triathlon Volks-Distanz in Sassenberg gestartet und erfolgreich ins Ziel gebracht. Erfolgreich alleine schon deshalb, weil ich mitgemacht habe, obwohl ich mich kurz vor dem Schwimm-Start noch gefragt habe, warum ich mir sowas eigentlich antue?

Alles fing damit an, dass ich im letzten Herbst spontan ein Cross Bike bei Rose gekauft hatte. Und weil die da auch so schöne pinke Badekappen hatten und dazu eine passende pinke Schwimmbrille und ich ja eh schon Halb- und Vollmarathon gelaufen bin, hab ich aus Scherz gesagt: „Cool, jetzt muss ich nur noch mit Schwimmen anfangen und dann kann ich einen Triathlon machen.“
Mein Mann hat mich angeschaut und wusste sofort, dass das kein Scherz war. „Ja, mach.“, hat er nur gesagt und damit war klar, er glaubt, dass ich das kann – und dann gab es für mich kein Zurück.

Triathlon – der Weg zum Ziel

Sobald ich einen Mitwisser habe, fühle ich mich unter Zugzwang und fange an einen Schritt nach dem anderen Richtung Ziel zu gehen. Also ging ich erst mal in das Schwimmbad um die Ecke. Das fand ich von der Beschaffenheit der sanitären Einrichtungen zum Abgewöhnen. Und auch Slalom um die auf ihren Schwimmnudeln durchs Wasser treibenden Rentner zu schwimmen, fand ich abtörnend. Dann hab ich Katrin – Kat – von meiner Idee erzählt und die hat mich einfach mitgenommen, in ihre Schwimmtruppe vom ASV. Die waren soweit ganz nett zu mir, obwohl sie mich wohl eher wie ein Hindernis beim Schwimmen wahrgenommen haben müssen – so langsam wie ich war. Oder anders gesagt: ich wurde geduldet. Willkommen kam ich mir nicht vor. Ohne Katrin und Christian an meiner Seite wäre ich niemals mit diesen anderen Triathleten schwimmen gegangen. Seit der Schule war ich nicht mehr im Schwimmbad. Obwohl ich immer sehr gerne geschwommen bin und durchaus von mir dachte, dass ich das auch ganz gut könne. Nach der ersten 50m Bahn Brust dämmerte mir: Das wird hart. Nach den ersten paar Bahnen fingen um mich rum alle an locker flockig zu kraulen. Da wollte ich natürlich mitziehen. Also Luftanhalten und los. Sieben Armzüge später hab ich japsend nach Luft geschnappt und direkt die erste Welle Chlorwasser geschluckt. Hustenanfall. Hallo Beckenrand mein Freund. Ich dachte ich schaffe das nie. Nach einer Stunde im Wasser, etlichen, verzweifelten Versuchen irgendwas zu Stande zu bringen das halbwegs nach Kraulen aussah, einige Krämpfe in den Füßen, mindestens 5 Liter unfreiwillig geschlucktes Chlorwasser und gefühlt dem halben Schwimmbad im Ohr, musste ich zu Hause erst mal schlafen, so platt war ich.

Aber eine Woche später war ich wieder beim Schwimmtraining. Und wieder und wieder und wieder und wieder… Langsam wurde ich immer besser – also für meine Verhältnisse. Ich konnte schon zwei 50-Meter-Bahnen hintereinander kraulen und halbwegs eine 3er Atmung einhalten. Ich schaute mir etliche Schwimmvideos an und beobachtete jeden Samstag meine Mitschwimmer unter Wasser. Als mir im April diesen Jahres eine Schwimmtrainerin von der Nachbar-Bahn Tips gegeben hat und meinte, dass mein Kraulstil sonst eigentlich schon ganz gut sei, hab ich das erste mal gemerkt, dass mein Ziel nicht mehr so weit weg sein kann. Und dann habe ich mich angemeldet, zum Volks-Triathlon in Aldekerk für Mitte Juli.

Becken vs. Freiwasser

Irgendwann realisierte ich, dass man in Aldekerk im See schwimmt. Also kaufte ich mir im Mai erst mal einen Schwimm-Neo, weil ich mir schon dachte, dass das Wasser vielleicht noch etwas frisch ist und ich vor Aldekerk mal üben sollte im See zu schwimmen. Die letzten Jahre war ich immer nur zum Spaß im See schwimmen oder besser: planschen. Meist vom Boot aus oder ganz früher mit Papa. Er ist mit mir früher durch den Toepper-See geschwommen – und ich war mir sicher: Papa beschützt und rettet mich vor allen bösen Algen, Wasserpflanzen und Fischen und allem, was meine Fantasie sonst noch so produziert und ich brauche keine Angst haben. Aber jetzt ohne Papa neben mir sah das schon anders aus. Deshalb habe ich mich mit einer Freundin, die auch schon Triathlon-Erfahrung hat, zum Freiwasserschwimmen verabredet. Das war super. Perfektes Wetter. Julia neben mir. Im Neo konnte selbst ich kraulen. Perfekte oder jedenfalls bessere Wasserlage. Alles total easy.

Dann kam der zweite Versuch im See zu schwimmen. Alleine. Oder besser gesagt, unter Aufsicht. Meinen Mann hatte ich dazu verdonnert mit dem Paddelboot neben mir her zu fahren. Der Plan war super. Das Wetter war super. Die polarisierte Schwimmbrille, die ich mir extra zum Freiwasserschwimmen gekauft hatte – nicht super. Es war abends nach 20 Uhr und das Wasser unter mir war mit der Brille dunkel wie die Nacht. Ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Ich bekam den Kopf nicht unter Wasser. Ich konnte kaum atmen. Panik. Also erst mal ab auf den Rücken und „Toter Mann“. Mein Mann neben mir im Paddelboot versuchte mich zu beruhigen. Nächster Versuch. Das gleiche Theater.

Ich war wütend auf mich. Und enttäuscht. Und ich sah den Termin für Aldekerk dunkel und bedrohlich immer näher rücken und mich unfähig im See zu schwimmen. Doch gleichzeitig mit dieser Enttäuschung und Wut auf mich, erwachte mein Kampfgeist: Ich wollte es mir selbst beweisen. Meine doofe Angst besiegen. Ich lasse mich nicht aufhalten, schon gar nicht von mir selbst. Ach so, das mit dem Dunkel hab ich dann kurzerhand gelöst, indem ich einfach die Brille abgenommen hatte. Jetzt schien das Wasser auch wieder etwas heller zu sein. Ich entschied mich weiter raus zu schwimmen. Brust. An Kraulen war immer noch nicht zu denken. Den Kopf habe ich aus unerklärlichen Gründen trotzdem nicht richtig unter Wasser bekommen. Nächster Panik-Anfall. Unter Tränen hab ich meinem Mann gesagt, dass es heute nichts mehr bringt und wir zurück zum Steg schwimmen sollten. Er meinte darauf hin einfach nur „Okay.“ Okay? Nichts war okay! Ich war immer noch sauer auf mich und irgendwie angepisst, dass er mich nicht angetrieben hat weiter zu schwimmen. Auf dem Weg zurück zum Steg, stellte ich fest, dass ich auf einmal doch kraulen konnte. Am Steg angekommen sagte ich Rouven, dass wir jetzt an den Stegen vorbei zum Nachbar-Club schwimmen – also er natürlich paddelnderweise neben mir her. Dann fand ich heraus, dass, wenn ich jeden 2. oder 4. Armzug atmete und ich ihn immer im Blick hatte und somit direkt neben mir wusste, funktionierte es auch halbwegs mit dem Kraulen. So konnte ich an dem Abend wenigstens trotz Panik-Attacken und mehrmaligem „Toter Mann“ immerhin doch knapp eine Stunde im See schwimmen.

Krank ist kein Grund zu kapitulieren.

Zwischen meinen Schwimmversuchen war ich natürlich auch immer laufen oder bin abends unter der Woche Rolle gefahren. An den Wochenenden haben Rouven und ich Radtouren gemacht und dann sogar eine 74 km RTF mit Katrin, Christian, Julia und noch einem befreundeten Paar im Münsterland gefahren. Soviel bin ich zuvor noch nie gefahren. Mit Katrin – Kat – und Christian war ich Sonntags morgens im Sonnenschein noch mal Freiwasserschwimmen und fühlte mich halbwegs gut vorbereitet für Aldekerk. Doch dann, pünktlich zum Triathlon war ich krank. Lag vollkommen flach mit Halsschmerzen und Nebenhöhlenentzündung. Julia und Christina, die ich zuvor noch für Aldekerk motiviert hatte mitzumachen haben das Ding ohne mich durchgezogen. Ich war so enttäuscht von mir. Doch Rouven erzählte mir vom Sassenberg-Triathlon Anfang August und das die Anmeldung noch offen sei und sofort habe ich mich angemeldet. Damit hielt sich die Enttäuschung von mir, nicht in Aldekerk starten zu können, einigermaßen in Grenzen. Sobald ich wieder fit war nahm ich mein Training wieder auf und machte sogar 1x ein Koppeltraining, bei dem ich erst zuhause 1 Stunde auf der Rolle radelte und dann direkt auf meine Haus-Laufrunde ging. Schon komisch, wie sich Beine auf einmal benehmen oder eben auch nicht. Mit komischen Tippelschrittchen versuchte ich einen Fuß vor den anderen zu setzen. Und redete mir die ganze Zeit ein, dass ich mich zusammenreißen soll und das schon irgendwie schaffe. Und ich schaffte es auch.

Und jetzt am 06.08.2017 stehe ich hier am Strand von Sassenberg und all diese Erinnerungen gehen mir durch den Kopf. Ich höre wie durch Watte „ON YOUR MARKS“, drücke den Startknopf meiner Uhr. Schuss. Ab ins Wasser und los.

Im nächsten Bericht erzähle ich, wie es mir während des Triathlons ergangen ist.
Was sind eure Erfahrungen? Habt ihr schon mal einen Triathlon gemacht? Oder mit etwas angefangen, das ihr zuvor noch nie gemacht habt?

Ich freu mich auf eure Kommentare.

 

KategorieOutside is free
Kia

von

Ich bin Kia – eigentlich Saskia – und schreibe hier über meine persönlichen Erfolge, Misserfolge, und Freuden meines Alltags. Ich bin gerne an der frischen Luft und fühle mich pudelwohl, wenn ich mich bewegen kann. Hauptsache kein Stillstand.

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